Kindermode: Süß und kindlich war gestern

Kind + Jugend - 6. September 2007

Der stellv. Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels e.V. (BTE), Heijo Gassenmeier, berichtete in Köln über die Entwicklungen im Kindermode-Bereich.

Nach einem ständigen Auf und Ab der Nachfrage erreichten die Umsätze mit Kinderbekleidung im ersten Halbjahr 2007 nur das Vorjahresniveau. Drei Monaten mit Umsatzzuwächsen standen drei Monate mit zum Teil deutlichen Rückgängen gegenüber. Damit steht die Umsatzentwicklung der Kinderbekleidung unter den Modesparten des Textileinzelhandels, der das erste Halbjahr mit + 2 Prozent abschließen konnte, an letzter Stelle.

Mit einem Marktvolumen von 2,655 Mrd. Euro (2006) hat die Kinderbekleidung einen Anteil von gut 6 Prozent an den Bekleidungsumsätzen (42.655 Mrd. Euro) in Deutschland.

Die vom BTE erwartete Kaufzurückhaltung durch die Mehrwertsteuererhöhung hat sich auch beim Absatz von Kinderbekleidung niedergeschlagen. Während sich der nominale Umsatz nicht verändert hat, ist der Nettoumsatz sogar zurückgegangen. Denn alleine um die vom Gesetzgeber gewollte Mehrbelastung der Bürger mit der höheren Mehrwertsteuer auszugleichen, hätte der Umsatz auf Basis 2006 um 2,6 Prozent steigen müssen. Die Umsatzsituation macht auch deutlich, dass die notwendigen Preiserhöhungen wegen der Mehrwertsteuererhöhung kaum umgesetzt wurden.

Eine weitere schmerzhafte Folge der Mehrwertsteuererhöhung ist der negative Einfluss auf die Spannen des Einzelhandels. Denn ein erheblicher Teil der Mehrwertsteuererhöhung wurde von Handel und Industrie aufgefangen. Teilweise wurden die Einkaufspreise gesenkt, teilweise musste der Handel seine Spannen reduzieren und nur in wenigen Fällen ist es zu Preiserhöhungen gekommen. Nach einer BTE-Umfrage konnte der Textileinzelhandel zwar die erzielte Bruttospanne durchschnittlich um 1,2 Prozentpunkte steigern, um die Mehrwertsteuererhöhung zu kompensieren, wären aber 2,18 Prozentpunkte notwendig gewesen.

Zudem litt die Branche auch unter den ausgeprägten Wetterkapriolen, die zu erheblichen Absatzproblemen bei Übergangsbekleidung führte.

Was ist in der Frühjahr/Sommer-Saison 2007 gut gelaufen?
Dauerrenner sind natürlich die Jeans. Bei den Mädchen vor allem in Röhrenform. Ähnlich wie bei der DOB waren aber auch feminine Kleider und Röcke von den Mädchen und bei den Jungs Bermudas und Shorts gefragt. Auch Shirts mit Trendmotiven gehören zu den Umsatzsäulen. Generell hat sich Übergangskleidung wie z.B. Jacken schwer getan, während sommerliche Artikel gut gelaufen sind.

Es gibt wohl kaum ein textiles Segment, dessen Markt so viele Zielgruppen und Umschlagplätze hat. Kindermode wird von Müttern, Familienangehörigen, Freundinnen und Kollegen gekauft. Kaufen kann man sie in Mode- und Kindermodehandel, in Super- und Drogeriemärkten, bei Spielzeuggeschäften, bei Kaffeeröstern, Discountern und natürlich auch im Internet.

Das führt zu einem ausgeprägten Wettbewerb, der sich auch auf die Strukturen der Branche auswirkt. Nach den jetzt vorliegenden Zahlen gab es in Deutschland 2005 noch 1.825 Kinderbekleidungsfachgeschäfte, das sind 3 Prozent weniger als 2004.

Wesentliche Sortimentsbestandteile werden inzwischen von Systemanbieter im mittelpreisigen Segement gestellt. Für viele Fachgeschäfte sind Trading-up in Markenmode und Preisen sowie Qualität, neue Labels, neue Modethemen während der Saison und die Bedienung von speziellen Zielgruppen wie Übergrößen von Bedeutung.

Der Markt ist nicht nur von einem starken Wettbewerb beeinflusst, sondern auch von einem stark gewandelten Verständnis für Kinderbekleidung. Die noch vor wenigen Jahren gültige Auffassung, wie Kindermode auszusehen hat, wurde abgelöst von einem Modestil, der weitgehend dem jeweils aktuellen Bekleidungsverhalten der Erwachsenen entspricht. Hier ist die Kidswear der erfolgreichen Marken aus der Erwachsenenmode, wie Esprit, S. Oliver, Tommy Hilfiger etc. auf dem Vormarsch. Die Trends werden schneller und greifen immer mehr die Desgins aus DOB, HAKA und Young Fashion auf. Damit wächst auch die Markenorientierung der Kinder.

Nach der Marktstudie KIDS Verbraucheranalyse 07 halten bereits 39 Prozent der Kinder von 6 - 9 Jahren Marken bei Bekleidung und Jeans für wichtig. Und 39 Prozent der Eltern sagen, dass sie den Markenwunsch ihres Kindes auch meistens erfüllen.

Man darf auch nicht die bereits ausgeprägten Vorstellungen der Kinder dieser Altersgruppe über ihr Outfit unterschätzen. So dürfen fast 60 Prozent der Kinder sich so kleiden wie es ihnen gefällt. Knapp 60 Prozent der Eltern informieren sich bei den Einkäufen direkt bei den Kindern, gefolgt von 61 Prozent der Eltern, die sich im Geschäft orientieren. Die durchschnittlichen Ausgaben für Bekleidung lagen pro Kind (6-9 Jahre) im Jahr 2006 bei rund 302 Euro.

Die Unsicherheit über die weitere Umsatzentwicklung hält an. Der Juli brachte ein gutes Plus, aber auf schwacher Vorlage.

Während der Sachverständigenrat den privaten Konsum im 2. Halbjahr 2007 als Wachstumsstütze sieht, hat sich nach den neuesten GfK-Zahlen das Konsumklima im August verschlechtert.